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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lenovo mit Direktvertrieb a la Dell?


Abgar
14.07.06, 06:31
Wie die Süddeutsche Zeitschrift berichtet, könnte Lenovo bald ein Direktmarketing a la Dell in Deutschland starten. Zielklientel: Privatkunden.

Da eine eigene Ladenkette zu teuer sei, prüfe Lenovo zur Zeit Möglichkeiten über Telefon und Internet. Dies wäre freilich eine offene Herausforderung an die Konkurrenz - Dell vorne weg.

"Noch in diesem Jahr, spätestens Anfang 2007 kommen Produkte von Lenovo für Konsumenten in Deutschland auf den Markt", merkte Yuanqing Yang, der Vorsitzende des Verwaltungsrates von Lenovo, der Süddeutschen Zeitung gegenüber an.

Quelle:
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Nun, das kann spannend werden. Im besten Fall profitieren die Endkunden, ohne dass eine der Firmen existentiellen Schaden erleiden wird.

Ganz nebenher ist aber auch ein weiterer, nicht ganz nebensächlicher Coup im alten Bruderkrieg Taiwan (Republik China) versus Volksrepublik China absehbar. Und dazu bedarf es nicht einmal eines 'Welt-Verschwörungs-Wahns'.

Die Legend Group Holdings wird allein vom chinesischen Staat kontrolliert. China hat nicht erst gestern die Wirksamkeit wirtschaftlicher Macht erkannt, um sich als automomer Staat zu positionieren. Polit- und Wirtschafts-Prognostiker erwarten nicht umsonst in China den Hauptkonkurrenten der westlichen Welt - kulturell, wirtschaftlich, machtpolitisch. Taiwan könnte dieser Konkurrenz durchaus erliegen.

Der Taiwan-Konflikt wird in unserer Hemisphäre wenig bis gar nicht wahrgenommen. In Asien glimmt er nach wie vor bedrohlich. Ein 'Wirtschafts-Krieg' kann hier nach außen legitime, kapitalistische Züge haben, deren politische Hintergründe nicht sofort offensichtlich sind. Intensivere Beschäftigung mit den ungleichen Brüdern China/Taiwan macht hier schnell politsche Aspekte sichtbar.

Für Taiwan kann es existentiell werden. Taiwan lebt von der Computerindustrie. Die wirtschaftliche Schädigung Taiwans beeinflusst auch direkt die politische Stabilität des Landes. Wenn Großabnehmer wie Dell -die u.a. bei Compal und Quanta in Taiwan produzieren lassen- nachhaltig geschädigt werden können, kann dies nicht nur wirtschaftliche, sondern durchaus auch politische Folgen für die Insel haben. Die 'Freundliche Übernahme' Taiwans durch China ist dann durchaus greifbar. Dies kann sich auch auf die westliche Welt nachhaltig auswirken. Immerhin beziehen wir einen Großteil unserer Hardware direkt vom Inselstaat Taiwan.

Nun gut, die Wirtschaftskriege der Zukunft werden sicherlich noch ein interessantes Feld werden - und sind es bereits. Die Konsumenten können hier wortwörtlich an 'forderster Front' mitkämpfen. Ob sie es ernst nehmen und langfristig mitdenken, bezweifle ich. Wir reden uns ja selber ein, dass 'Geiz geil sei' und kaufen Waren nicht nur aus chin. Knastfabriken. Im Falle Lenovos profitiert im besten Fall am Ende der Kunde, ohne dass es existentielle Folgen für andere etablierte Firmen haben wird. Von den politischen ganz zu schweigen. Man kann freilich auch weiter von einer heilen Welt träumen... Und Lenovo ist nicht mehr IBM. Das nur ganz nebenher...

Grüße in den Morgen - Abgar

Lenvo @ Wikipedia: [Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar]
Taiwan-Konflikt @ Wikipedia: [Link nur für registrierte und freigeschaltete Mitglieder sichtbar]

smörre
14.07.06, 08:03
Hab den Artikel gestern auch gelesen (stand gar nicht in der Printausgabe, zu was zahle ich die eigtl.? ;) ).

Ist echt eine interessante Veränderung. Lenovo versucht sich damit also in Gänze den Privatkunden zu öffnen. Wobei dies natürlich auch schon über kleinere Rabattscharmützel in den R-Serien bei den "großen" Notebookdiscountern geschehen ist.

Dennoch tritt so langsam das ein, was ich bei der Ankündigung der Übernahme durch Lenovo vermutet hatte.
Eine wesentlich agressivere Vermarktungsart die (auch mit neuen Low-Range Modellen) deutlich auf schnellen Gewinn abzielt.
Es ist in meinen Augen gut möglich, dass es durch dieses Verhalten zu einem Imageverlust kommt. War IBM immer ein Name der für sich stand und keinerlei Werbemethoden aus dem Rhetorikkistchen der bekannten "Billigheimer" bedurfte, so geht der Trend zumindest für gewisse Teile des Lenovo Sortiments nun doch deutlich in diese Richtung.

Ob eine Firma auf Dauer den Spagat zwischen hochqualitativer Business-Serie (T / X) Midrange und Lowrange Produkten halten kann, ich weiss es nicht.

Acer hatte früher auch eine klarere Trennung im Portfolio zwischen Travelmates und Aspires. Mittlerweile ist der grösste Teil der Travelmates von den Aspires nicht mehr zu unterscheiden.

Die politische Tragweite eines solchen Verhaltens wird aber denke ich 99% der dt. Kunden nicht im geringsten interessieren.

Da gab es letzte Woche einen wunderbaren Einspieler bei Quer im Bayerischen Fernsehen.

Ging darum, dass die Telekom im Schatten der WM 1000 Stellen abgebaut hat.
Dazu wurden Leute befragt. Und einer stellte folgende Werteskala auf:

1) Fussball
2) Ich
3) Kinder
4) Tel öh was? Telekom

Mal sehen wie das mit Lenovo weitergeht. Kann ja auch ein Schuss in den Ofen werden.

@Abgar
Es ist die Süddeutsche Zeitung nicht Zeitschrift ;)

Abgar
14.07.06, 14:48
@ smörre
... ja, ich weiß, so steht es freilich drüber ... sie haben auch den schönsten Feuilleton deutscher Printmedien ... wenns nicht drüber stünde, wüsste ich häufig nicht, wo er anfängt und wo er aufhört ... ;) :)

Grüße bei Kaffee und Kuchen - Abgar

Nachtrag vom 21. Juli:
Und schon reagieren die Börsen...
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